Eine der besten Livebands aus deutschen Landen sind ohne Frage Die Apokalyptischen Reiter. Kaum eine Band versteht es, Energie und Spielfreude auf eine so sympathische Art miteinander zu verbinden und selbst ein noch so kleines Menschenhäuflein in den Wahnsinn zu treiben.
Dass es aber in der thüringischen Heimat der Band kein Menschenhäuflein geben würde, sondern dass das Centrum berstend voll sein würde, war bereits trotz dieses doch recht seltsam geschnürten Tourpakets - kurzum auch “Reiterfestspiele genannt - im Vorfeld klar. Zunächst sollten Disaster K.F.W. den Abend eröffnen, die ich leider in Gänze - wie auch den größten Teil des Marionette-Auftritts - verpassen musste. Die jungen Schweden Marionette boten jedoch einen sehr interessanten Anblick: blutjunge geschminkte, wahrhaft irgendwie marionettenartig aussehende Buben, die zum ersten mal auf einer Tour außerhalb ihres Heimatlandes spielen, jedoch alles andere als nervös herüberkamen. Die Burschen ernteten tatsächlich viel Zuspruch und heizten die ebenfalls sehr jung wirkenden ersten Reihen gut ein. Die Musik kann man als eine Art Metalcore bezeichnen, nicht sonderlich kreativ, aber durchaus sehr livetauglich und überzeugend dargeboten...
Die folgende Band hätte unterschiedlicher nicht sein können. In Windeseile richteten sich Honigdieb die Bühne her und auch diese ließen sich in ihrem visuellen Auftritt nicht lumpen. Musikalisch wie auch “inhaltlich” ist die Chose des Dortmunders und seiner Mitmusiker aber so gar nicht mein Ding. Zwar hat auch diese Musik ihre Daseinsberechtigung, da sie eine mit Nichts vergleichbare Mischung aus Punk, Rock, Ska, Pop mit Folkparts bietet, doch das neurotische Herumgezucke von Sänger Hannes geht mir schon nach wenigen Songs kräftigst auf den Zeiger. Nichts gegen Humor in der Musik, doch diese kribbelbunte plakative und um jeden Preis um Anstoß bemühte Art ist mir nichts. Zwar steckt eine löbliche Message (”sei wie du bist, mach wie dir beliebt…”) hinter all diesen geschmacklosen Details dieser One-man-Show, doch muss man in diesem seltsamen Bühnengebahren und schrecklich daneben klingendem, nervenden (Sprech-)”Gesang” tief danach wühlen.
Glücklicherweise waren aber auch Honigdieb recht schnell mit ihrem Set fertig und machten Platz für wirklich geile Musik. Vor dem Auftritt waren mir Mustasch aus Schweden nur namentlich ein Begriff, doch schon bei den ersten Tönen wurde mir klar: Das ist es!
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