Overall Top Artists Analyse mit Derhard Gelling und Nünther Getzer
10 Jul 2008, 20:42
Getzer: Freut mich hier zu sein.
Gelling: Herr Getzer, die große Überraschung gleich zuerst: Der Meistertitel.
Getzer: Das ist richtig. Nur wenige hatten John Frusciante auf der Rechnung - wenngleich er für mich aufgrund der Diversität seiner Werke mit dem größten Potential daher kam.
Gelling: Auch wenn der Vorsprung nur denkbar knapp war. 1662 Plays zu 1586 Plays für Incubus - ebenfalls eine Überraschung.
Getzer: Dass die Red Hot Chili Peppers nur auf dem dritten Platz landen würden, hätte wohl niemand prophezeit.
Gelling: Und die Überraschungen hören auch danach nicht auf. Auf Platz vier katapultierten sich innerhalb eines Jahres The Mars Volta.
Getzer: Zweifellos eine Glanzleistung. Gegen Ende des Kalenderjahres 2007 hatten sie sich endlich in den Top50 etabliert, ehe sie dann nach dem Konzert in München im März nach vorne schossen. 274 Plays in der Woche nach dem Konzert - unglaublich! Damit haben sie den Rekord von Incubus aus dem Vorjahr um 20 Plays geschlagen. Alle Achtung!
Gelling: Arbeiten wir uns weiter "nach unten" durch: Weitere Überraschungen folgen auf den Plätzen 8 und 10.
Getzer: Das ist richtig. Zwar hatte Aphex Twin bereits eine gute letzte Saison, war aber mit seinen Ambient- Alben eher Hintergrundmusik denn etablierter Künstler. Das hat er durch 26 Mixes for Cash und Drukqs erreichen können. Wenn man bedenkt, wie viel Material noch von ihm verfügbar ist, kann ich mir durchaus vorstellen, dass er sich in den Top 10 halten kann.
Gelling: Ein Wort zu State Radio?
Getzer: Der erfolgreichste Neueinsteiger in die Charts, der mit Platz 10 einen beachtlichen Erfolg geschafft hat. Mit der Mischung aus Reggae und Punk haben die drei Amerikaner typische Sommermusik geschrieben, die dementsprechend oft gehört wird in den warmen Monaten.
Gelling: Der Vollständigkeit halber sollte man hier noch erwähnen, dass State Radio erst nach dem Southside 2007 ins Geschehen eingegriffen haben.
Getzer: Umso mehr gebührt ihnen der Respekt für den zehnten Platz.
Gelling: Lassen Sie uns noch einige Worte zu einigen Neueinsteigern verlieren.
Getzer: Sehr gerne. Pendulum haben sich in ihrer Zeit seit Oktober 2007 sehr gut geschlagen und nach Rock im Park 2008 noch einen Schub erlebt, der sie im Endeffekt bis auf Platz 19 geführt hat.
Gelling: Ebenso beachtlich ist das Abschneiden von Bloc Party
Getzer: Das sehe ich auch so, wenn man bedenkt, dass fast alle ihrer 294 Plays vom sensationellen Album A Weekend In the City stammen. Auch die hätte man im Juli 2007 sicher nicht in den Top50 ein Jahr später erwartet.
Gelling: Ebensowenig wie Alexi Murdoch, der vor allem in der Frühlingszeit Plays gewinnen konnte und sich somit einen verdienten Platz in den Top50 ergattern konnte.
Getzer: Große Verwunderung bringt auch die Tatsache mit sich, dass sich Bands wie Lunik, Band of Horses und boysetsfire in den Top50 festbeißen konnten und somit eigentlich gesetzte Größen in Smrzens musikalischem Repertoire, wie z.B. Coldplay, Blink-182 oder Daft Punk, hinter sich lassen konnten.
Gelling: Sehen Sie irgendwelche Enttäuschungen in dieser Saison?
Getzer: Nun, die Kings of Convenience können sicherlich nicht zufrieden mit dem Saisonverlauf sein, sie haben sich zu einfach aus den Top 10 verdrängen lassen. Sie gehören, neben Imogen Heap, sicher zu den großen Verlieren der abgelaufenen Spielzeit. Aber da Ms. Heap wahrscheinlich noch dieses Kalenderjahr ein Album auf den Markt bringen wird, mache ich mir da keine Sorgen, dass es mit ihr auch bald wieder bergauf gehen wird.
Gelling: Letztes Jahr wurden die Foo Fighters angesprochen - ein Kommentar dazu?
Getzer: Mit Platz 37 in die Top50 eingezogen, Minimalziel erreicht.
Gelling: Um bei den Entwicklungen und Prognosen des letzten Jahres zu bleiben. Sufjan Stevens, der Überraschungszehnte der letzten Saison genießt mittlerweile Ausnahmestatus.
Getzer: Da haben Sie recht - er hat sich mittlerweile als fünfte Kraft etabliert und hat noch reichlich Luft auf die nächstplatzierten. Bis die Mars Volta zu ihrem fulminanten Schub ansetzten, war er gar lange Zeit die Nummer vier und ließ damit Künstler mit großen Ambitionen auf den Anführerposten der zweiten Reihe hinter sich - Damien Rice oder Muse, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Gelling: Letztes Jahr wurde, wohl eher scherzhaft gemeint, angeführt, was passieren würde, wenn man alle Tracks der Mars Volta, auf denen John Frusciante mitgewirkt hat, zusätzlich für ihn werten würde...
Getzer: Vin dieser Idee hale ich nichts. Wo ist da die Grenze? Dann Remixes müsste man auch bei Remixes den Ursprungskünstler UND den remixenden Künstler zählen. Nein nein - das bisherige System ist schon in Ordnung so.
Gelling: Wir haben uns trotzdem mal den Spaß gemacht und die wirklichen Frusiante- Zahl (wo wir jetzt aber von allen Mars Volta Stücken ausgehen) ermittelt. Als Solokünstler, mit den Chili Peppers, mit den Mars Volta, mit Ataxia, mit Josh Klinghoffer, mit Tricky kommen wir auf 4322 Plays.
Getzer: Beachtlich - aber um zu zeigen, dass Frusciante ein wichtiger Künstler für Cotisuelto Smrz ist, hätte es dieser Rechnerei nicht bedurft.
Gelling: Sieht man sich die Rolling Year Charts an, so fällt einem zunächst auf, dass es nicht mehr so eindeutig an der Spitze ausfällt wie im letzten Jahr, als die Spitzengruppe um die Chili Peppers, Incubus und Frusciante so dominierte.
Getzer: Das ist richtig, das Feld ist breiter geworden innerhalb der letzten Saison, das ist die Entwicklung, die ich mir wünsche. Offen für Neuerungen, die das bisherige Ranking ständig durcheinanderwirbeln können.
Gelling: Noch kurz einige Anmerkungen zu den Rolling Year Charts (Statistiken folgen unten). Demnach gebührt - nicht gerade überraschend - The Mars Volta Platz eins, dahinter John Frusciante und an dritter Stelle Sufjan Stevens.
Gelling: Auch wenn die Prognosen aus dem letzten Jahr nicht ins Schwarze getroffen haben, kommen Sie, Herr Getzer nicht drum herum, einige Vorhersagen für die nächste Saison zu treffen.
Getzer: Nun, wenn es denn sein muss. Der Meisterschaftskampf ist, wie diese Saison offenbart hat, ausgeglichen wie nie. Mich würde nicht überraschen, wenn es ein Künstler der Spitzengruppe machen würde, wenngleich man auch nicht The Mars Volta vergessen darf, da Smrz bereits im Juli erneut auf ein Konzert gehen wird.
Ansonsten wird Sufjan Stevens die fünfte Kraft bleiben. Es wird naturgemäß wenig Änderungen in den Top10 geben, aufgrund des immensen Vorsprung der aktuellen Künstler. Aber es wird auch im nächsten Jahr, dessen bin ich mir sicher, die ein oder andere Überraschung geben, die ein wenig Würze in das Rennen um die Gunst von Cotisuelto Smrz bringen wird.
Gelling: Dann danke ich Ihnen, Herr Getzer für Ihre fachkundige Meinung und Ihnen, werter Leser, für Ihr Interesse. Machen Sie's gut, hauen Sie rein. Bis bald.
Rolling Year Charts
1 The Mars Volta 1,033
2 John Frusciante 886
3 Sufjan Stevens 607
4 Incubus 596
5 State Radio 545
6 Red Hot Chili Peppers 528
7 Aphex Twin 492
8 Porcupine Tree 440
9 Pendulum 428
10 Rage Against the Machine 387
11 Turin Brakes 369
12 Beatsteaks 352
13 Damien Rice 351
14 Nick Drake 332
15 Muse 317
16 The Album Leaf 307
17 La Vela Puerca 300
18 Bloc Party 289
19 Teitur 284
20 Clueso 278
Overall Top20
1 John Frusciante 1,662
2 Incubus 1,586
3 Red Hot Chili Peppers 1,478
4 The Mars Volta 1,099
5 Sufjan Stevens 844
6 Muse 738
7 Damien Rice 717
8 Aphex Twin 627
9 Porcupine Tree 624
10 State Radio 546
11 Clueso 540
12 The Album Leaf 519
13 Kings of Convenience 511
14 Turin Brakes 501
15 The Streets 458
16 Rage Against the Machine 445
17 Nick Drake 435
18 Pendulum 428
19 Teitur 420
20 La Vela Puerca 367
